Ayurveda in Kerala – Schwerer Start

Ayurveda in Kerala – Schwerer Start

3. Januar 2020 Aus Von Tommy Seiter

Ayurveda klingt nach Wohlfühlen und verwöhnt werden, aber auch nach Exotik. Massagen, Yoga und feines Essen unter Palmen – Gesundheitstourismus zieht jedes Jahr mehr Westler nach Indien. Eine Kur in Kerala ist auf jeden Fall ein Abenteuer – mit glücklichem Ausgang.

Ein turbulentes Jahr bewegte mich den Pauseknopf zu drücken, Körper und Geist Ruhe zu gönnen. Eine Ayurveda Kur sollte dabei helfen – und zwar dort, wo die Wiege und das Zentrum dieser 5000 Jahre alten ganzheitlichen Heilkunst liegt – in Kerala. Ein bisschen Wellness, Massagen und Entspannung würden mir gut tun. Außerdem verkürze ich mir gerne den Winter mit ein paar Wochen im Warmen, am liebsten in Asien. Dieses Jahr habe ich 5 Wochen Südindien geplant, beginnend mit der zweiwöchigen Kur.

Erledigt von der 24-stündigen Anreise ohne Schlaf war ich froh, dass mich der Fahrer der Unterkunft um 4.00 früh am Flughafen Kochi mit einer weiteren Ayurveda Liebhaberin erwartete. Die herzliche Deutsche erzählte mir während der zweistündigen Fahrt, dass sie schon jahrelang zur Kur nach Indien kommt und wunderbare Erfahrungen macht. Sie habe auch seit Jahren 2 Hirntumore und andere Diagnosen, die ihr mit der regelmäßigen Kur kaum Probleme machen. Um 6.00 früh wurden wir im kleinen, aber feinen Meiveda Ressort abgeliefert, wo wir sehr herzlich mit einer Jasiminkette und Tee empfangen wurden.

Meiveda Ayurveda Ressort
Mein Haus im Meiveda Ayurveda Ressort

Am 1. Tag fand gleich die Arztkonsultation statt, um den Therapieplan für die zweiwöchige Kur zu erstellen.Kurz zu Aurveda

Kurz zu Ayurveda

Der Begriff Ayurveda kommt aus dem Sanskrit und setzt sich aus „Ayus“ (Leben) und „Veda“ (Wissen) zusammen – bedeutet „Wissen vom Leben“. Ayurveda sieht den Menschen ganzheitlich und strebt die harmonische Balance von Körper, Geist und Seele an und basiert auf zwei grundlegenden Elementen. Erstens: Der Körper wird von Giften gereinigt, die sich durch einen unausgewogenen Lebensstil und falsche Ernährung angesammelt haben und zweitens: Das verlorene Gleichgewicht wird durch natürliche Mittel wiederhergestellt, vor allem durch Pflanzenöle, die mit Hilfe unterschiedlicher Massagetechniken verabreicht werden.

Im Open Air Warteraum vor der Behandlung

Wie der Aufenthalt abläuft, entscheidet sich gleich zu Beginn im Gespräch mit dem Ayurveda-Doktor. Die Ärztin empfängt mich freundlich mit der Frage, ob ich mit gesundheitlichen Problemen zur Kur komme. Ich spreche Verdauungsprobleme an und den Wunsch nach mentaler Entspannung. Eine halbe Stunde lang schaut sie mir in die Augen, erspürt Ungleichgewichte aus dem Puls und stellt dabei Fragen zur körperlichen und psychischen Gesundheit. Dieses Gespräch sollte man nicht unterschätzen, denn am Ende legt der Doktor fest, ob man ein Vata-, Pitta- oder Kapha-Typ ist. Und das bestimmt die Behandlung während der Kur.

Erstuntersuchung mit Pulsdiagnose der Ayurvedaärztin

Nach der ersten Entspannungsmassage musste ich mal den Tapetenwechsel vom düsteren Grau zu Hause zum paradiesischem Grün mit blumigen Farbtupfern verdauen. Ich spürte, wie derartig schnelle große Ortswechsel mein System durcheinander bringen und es tatsächlich Tage dauerte bis ich mit Körper, Geist und Seele da war.
Jeden Tag abends bekam ich die Medikamente, ein Sortiment aus Säften, Tabletten, die ich meist vor und nach dem vegetarischen Essen einnehme. Zudem folgen nun täglich zweistündige Therapieeinheiten, in denen man außen und innen mit speziell auf mich abgestimmten Kräuterölen behandelt wird. Anfangs kam es mir recht komisch vor, wenn ich im Papiertanga da lag und bei der Massage die Hände meines wunderbaren Behandlers an Füßen, Rücken und Armen entlang strichen. Auch Gesicht und Haare werden mit viel Öl bedient, wobei es mir teilweise vorkam, als bekäme ich etliche Ohrfeigen, weil das Öl auch tätschelnd eingebracht wurde. Übrigens Frauen werden von Frauen und Männer von Männern behandelt. Nicht mehr so komisch sind dann die nasale Reinigung oder der Einlauf, jeweils mit Öl.

Dritter Tag im Paradies
Hellgrün wiegen sich die Kokospalmen in der Morgensonne, kristallklarer Himmel, das sanfte Rauschen der Meeresbrandung ist zu hören. Zum Frühstück exotische Früchte, relaxen, nachmittags am einsamen Strand die Sonne genießen und sich von den sanften Meereswellen wiegen lassen, ein Cocktail an der Strandbar, am Abend fangfrischen Fisch, ein paar Drinks bei Sonnenuntergang, flanieren durch die idyllischen Läden, leicht angeheitertes, zufriedenes zu Bett gehen, tief entspannter Schlaf. Die Realität sieht im Detail freilich ein bisschen anders aus: Schlechter Schlaf, müdes Aufwachen mit brennenden, verschwollenen Augen, Rückenschmerzen. Nun auf nüchternen Magen die widerlich schmeckende Medizin nehmen, danach eine Stunde Yoga. Intensiv-Yoga um 7.00 Uhr habe ich ausgelassen und mich für Anfänger-Yoga für Ungeübte um 8.30 Uhr entschieden. Auch das fühlte sich für mich intensiv genug an und brachte mich an die Grenzen meiner Dehnbarkeit.

Täglich Yoga ist fixer Bestandteil jeder Ayurveda Kur

Ich Danach zwei Stunden Ölbehandlung, wobei meiner Glieder gelegentlich dermaßen verrenkt wurden, dass es so krachte, als zerschmetterten meine Gelenke. Gut, meinte der Therapeut, das Gelenk ist wieder frei, – Natürlich kein Alkohol, strikt vegetarische Kost und so wenig Sonne wie möglich. Die krächzenden Raben und der Muhezzin der nahe gelegenen Moschee stören die ersehnte Ruhe. Immer wieder kommen Stimmungsschwankungen auf, bin oft todmüde, irgendwie fühl ich mich nicht gut. Es drängt sich die Frage auf: Was soll ich im Paradies, wenn ich es nicht genießen darf – warum tue ich mir das an?! Der Arzt entgegnet meinem Gejammer lächelnd: „Why are you angry, you are in holidays, enjoy, relax!“ – Und verwies darauf, dass alte Beschwerden und Befindlichkeiten in der Kur wieder verstärkt auftreten können, um dann ganz zu verschwinden – na dann bin ich ja gespannt! Auch die Leidensgenossen, allesamt euphorische Wiederholungstäter, verwiesen beruhigend auf das Ende der Therapie und die wunderbare Wirkung danach. Ob das auch meiner Erfahrung entspricht berichte ich euch in einem zweiten spannenden Blogbeitrag in ein paar Tagen. Bei Interesse bitte dran bleiben und wäre schön, wenn ihr meine Erfahrungen teilen würdet -DANKE!

Mehr persönliche Erfahrungen per Video auf meinem neuen Kanal OPEN HEART:

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Die Behandlungen wirken enorm – mehr im nächsten Blogbeitrag
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