Die Menschen in Ladakh und wie wohnt es sich im Winter dort

Die Menschen in Ladakh und wie wohnt es sich im Winter dort

12. März 2019 Aus Von Tommy Seiter

Die Menschen in Ladakh erlebte ich als freundlich und hilfsbereit. Vielerorts begegnete mir ein Lächeln und der landesübliche Gruß „Julley“ baute schnell Kontakte auf.

Da im Winter so gut wie keine Touristen im Land sind, findet man kaum offene Unterkünfte. Es ist in Ladakh üblich, dass trotz der Kälte nur ein Raum geheizt ist, an dem die Familie und Gäste zusammen kommen, um sich zu wärmen, zu unterhalten und zu essen. So bin auch ich, wie ein Freund, jederzeit willkommen gewesen. Mir wurde immer der beste Platz am Ofen überlassen und war mit Tee, Snacks und immer sehr gutem vegetarischem Essen versorgt. Es wurde getratscht und gelacht, – obwohl ich nichts verstand, fühlte ich mich wie zu Hause.

Hart wurde es erst dann, als es zur Bettruhe ging, weil in den Schlafzimmern extreme Kälte herrschte. Auch hier taten die Gastgeber was sie konnten. Decken, Wärmflaschen, ein guter Schlafsack und heißer Tee sollten die Eiseskälte erträglich machen. Ich musste jedoch trotzdem zwei Schichten Bekleidung und Wollsocken tragen, sowie meine Mütze aufbehalten. Da es auch kein fließend Wasser gab, war auch kein Duschen möglich. Also 10 Tage Katzenwäsche aus einem Kübel. Die Klos waren fast immer ausserhalb des Hauses und beschränkten sich auf ein Loch im Boden, und das bei bis zu – 15 Grad.

Teilweise war es so kalt, dass sogar mein Ipad den Geist aufgab und der Akku sich nicht mehr laden ließ. – Kurze Panik, da ich mit dem Ipad die meisten Fotos mache, den Blog schreibe und generell mein Draht zur Welt mittels worldwideweb darstellt. Das Ipad bekam meinen Schal und einen guten Platz am Ofen und so klappte die Verbindung bald wieder.

Ich bin sehr genügsam, aber vor allem die Kälte und nie warm Duschen setzte auch mir ziemlich zu. Das Geheimnis ist immer das Annehmen, auch von Situationen, die uns unangenehm erscheinen, dann entsteht genau daraus oft das Wunderbare. Die Wärme der Menschen machte alles erträglich und als der Tag anbrach und die Sonne herauskam, stiegen die Temperaturen und das Lebensgefühl. Der Anblick der schneebedeckten Gipfel und der Besuch der hoch spirituellen Orte ließen die Entbehrungen schnell vergessen. Ich fühlte mich beschenkt, weil ich das Gefühl hatte, dass ich als einziger Westler zwar fremd und doch voll integriert in diese mystische Welt war. Manchmal war ich in den Klöstern so allein, dass nicht einmal der Mönch anzutreffen war, der den Schlüssel verwahrte. So stand ich auch dann und wann vor verschlossenen Toren. Ich frage mich, ob es die einfachen und extremen Bedingungen erst ermöglichen, dass man derartig phantastische Orte erleben darf, eine Welt wie im Märchen, allerdings ein Wintermärchen;)

Ich erinnere mich an eine besonders schöne Erfahrung am letzten Tag bei einem der größten Heiligtümer von Ladakh. Im Höhlenkloster Trakthok, in dem vor über 1000 Jahren der große Tantriker Padmasambhava, welcher im 7./8. Jahrhundert den Buddhismus im Himalaya verbreitet hat, meditiert haben und sogar Dämonen bezwungen haben soll. Wir warteten wieder mal auf den Mönch mit dem Schlüssel. Als wir dann schon von dannen ziehen wollten, tauchte ein alter Mönch auf, der uns dann in die spürbar kraftvolle Meditationshöhle einließ. Ich durfte, obwohl normal verboten, sogar fotografieren. Danach machte er uns noch Kaffee und posierte für ein Portraitfoto.

Ein wunderschöner Abschluss meiner Ladakhreise. Die extremen winterlichen Bedingungen im Himalaya auf über 3500 m brachten mich an meine Grenzen. Ich konnte Natur- und Kunstschätze im Außen, sowie einen großen Schatz in mir finden. Wie wenig ist wirklich nötig, um glücklich und zufrieden zu sein. Die Bewohner Ladakhs zeigten mir, dass innerer Reichtum und warme Ausstrahlung mehr Wert sind, als aller äußerer Reichtum. Wunderschön zu beobachten war für mich der Zusammenhalt der Ladakhis und die funktionierenden Dorfgemeinschaften. Jeder hilft jedem und die Familien übernehmen abwechselnd gewisse Dienste für die Allgemeinheit. Ein schöner Kontrast zur allgemeinen Abschottungstendenz in unserer Gesellschaft.

Ich konnte viel an unglaublichen Erfahrungen und tollen Bildern mit nehmen, im Herzen und am Ipad – schön, dass du mir folgst und ich freue mich, wenn du den Beitrag teilst. DANKE FÜR ALLES!

Ein großer Dank gilt im besonderen Daniela von Gesar Travel, welche diese Reise wunschgemäß organisierte. Ein letzter Blick auf die einzigartige Schneelandschaft Ladakhs bevor es 3500 m bergab geht, aber die Temperaturen steigen auf 30 Grad an. Südindien ich komme!

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