Eifersucht ist ein Grundübel unserer Gesellschaft

Eifersucht ist ein Grundübel unserer Gesellschaft

10. Dezember 2019 Aus Von Tommy Seiter

Liebe ist von ihrem Wesen nach frei

Die persönlichen Erfahrungen über die Zerstörungskraft der Eifersucht veranlasst mich weiterführend auch dem Gedanken nachzugehen, in wie weit die Probleme in persönlichen Liebesangelegenheiten möglicher Weise tiefgreifende Auswirkungen auf den Zustand unserer Welt haben. Ich nehme die provokante These auf, dass viele globale Schwierigkeiten auf unsere eigenen ungelösten Traumen zurückzuführen sind, die sich eben für uns selbst unangenehm spürbar in der „romantischen“ Liebe äussern.

Wegbereiter dieser Idee sind für mich Dieter Duhm und Sabine Lichtenfels, die diesbezüglich über 40 Jahre intensive praktische Forschung in ihrem Heilungsbiotop Tamera in Portugal vorweisen können. Ich spüre eine tiefe Resonanz zu ihren Erkenntnissen und die eigenen zum Teil frustrierenden Erfahrungen in Liebesdingen fordern mich auf, eben diese Schattenthemen näher zu beleuchten.

Sabine Lichtenfels schreibt: „Nur wenn man glaubt, den geliebten Schatz ganz für sich haben zu müssen, ihn „schützen“ zu müssen vor dem Zugriff anderer, entsteht diese weltweite Tragödie einer falsch gelaufenen Doktrin der Liebe. Eifersucht ist ein falsches Glaubenssystem. Solange die Menschheit an Eifersucht glaubt, kann sie nicht glücklich werden.“

Wahrheit ist schwer zu ertragen

Ich verzweifle zuweilen an der Tatsache, dass es schwierig ist in Beziehungen die Wahrheit zu sagen und dass das eigene Wesen nur in Aspekten Wert geschätzt wird, manches jedoch unerwünscht ist. Es herrscht Besitzdenken vor, meine! Frau, mein! Mann – das hat doch nichts mit Liebe zu tun, niemand gehört jemanden. Eifersucht ist normal, höre ich oft – auch wenn ich nicht frei davon bin, weiß ich, dass dies auf Verlustangst begründet ist und Beziehungen zerstören kann. Diese und andere persönliche Schmerzpunkte wollen nicht aufgelöst werden, lieber projizieren wir, um die eigenen Wunden zu schützen. Es ist klar, dass nahezu jeder von Traumen und unnatürlichen gesellschaftlichen Moralvorstellungen geprägt ist, – und zwar nicht nur jene aus unseren ganz persönlichen Verletzungen, sondern es lasten eben auch die völlig verkehrten patriarchalen furchtbaren Auswüchse vergangener Generationen auf unserer Seele. Dieser Idee wird auch in der Arte Reportage „Vererbte Narben – Generationsübergreifende Traumata“, nach gegangen.

Traumata werden über Generationen übertragen

Jede Scheidungsstatistik und die Beobachtung der bestehenden oft unbefriedigenden Beziehungsstrukturen legt nahe, dass irgend etwas falsch läuft. Meines Erachtens liegt viel Potential im verdrängten Eros, der Lüge und der Unterdrückung des Weiblichen, welche die Frau in eine völlig falsche Position drängt. Auch wenn hier von den Feministinnen, leider oft mit männlich kämpferischen Mitteln, versucht wurde Ausgleich zu schaffen, wird auch das nicht zur Erfüllung führen.

Kampf ist nie eine Lösung

Schön wäre ein Kontakt von Mann und Frau auf Augenhöhe, doch das kann auch durch einen noch so verbissenen Kampf nicht erreicht werden. Ich wünsche mir von den Männern eine Ehrung des Weiblichen, in Form der Frau und von der Frau die Besinnung auf ihre wahre innere Kraft, die sicher nicht im Kampf gegen dem Mann liegt. Die Wut auf die Männer ist im Sinne einer globalen Aussöhnung nicht hilfreich. Das starke Geschlecht ist zweifellos die Frau, aus ihr gebiert neues Leben. Sie kann den Mann verführen und zwar mit ihrer immensen Liebe und Sinnlichkeit. So kann der Mann sein natürliches Selbstbewusstsein zurück gewinnen, ohne dass er sich in wilden Machtdemonstrationen gebärden muss. Dieses gegenseitige Spiel in Respekt und Liebe zu vervollkommnen, würde zur Heilung führen.

Heilung durch Liebe und Sinnlichkeit

Ich nehme nach wie vor ein weitreichendes Tabu im Bereich der Sexualität wahr. Es ist nicht angebracht hierüber öffentlich wertschätzend zu reden, zuweilen nicht mal in der Beziehung. Diese für den Menschen wohl größte Kraft ist dermassen in den Schatten gedrängt, dass sie von dort aus wilde Blüten treibt. Wenn sich Offenheit und Ehrlichkeit über Phantasien und Vorlieben einstellen, hätte das weitreichende Folgen hinein in nahezu alle Lebensreiche. Spielerische Annäherung, ein Ausprobieren mit Humor und Freude, wie Kinder an die Sache ran gehen, würde frischen Wind in die verstaubten Schlafzimmer bringen. Allerdings lasten hier die Sexfeindlichkeit der Religionen sowie die scheinheilige Moral der Gesellschaft seit Jahrhunderten schwerwiegend auf uns und sind tief verankert. Dabei wäre genau die Verbindung der Sexualität mit einer geistigen Komponente ein unheimlicher Gewinn für alle. Das einzige Beziehungsmodell, das in unseren Breiten wirklich akzeptiert ist, ist das zwischen Mann und Frau und zwar ein Leben lang. Dass dies an der Wirklichkeit vorbei geht, ist offenkundig. Was veranlasst uns an diesem vielfach zum Scheitern verurteilten Modell fest zu halten? Auch wenn für manche Paare Monogamie stimmig ist, sieht es so aus, als kommen viele damit nicht zu Rech. Das soll kein Plädoyer für Polyamorie oder sonst was sein, aber ein Aufruf zur inneren Wahrheit zu stehen bzw. danach zu suchen. Um die alten Muster aufzubrechen, müssen wir uns dem Schmerz stellen, den wir verzweifelt zu verhindern versuchen. Aus Angst vor diesem bleiben wir lieber in unwahren Verbindungen – bis einer untreu wird, was in der Regel das Ende bedeutet.

Wir brauchen Wahrheit in der Partnerschaft, sowie in allen Beziehungen. Leider herrscht in der Regel Unwahrheit vor und vergiftet alles. Ich bin ein Kind dieser Gesellschaft und tue mir auch schwer „verbotene“ Wahrheiten auszusprechen, aber spüre auch, wie Lüge ungünstig wirkt. Ein inneres Bedürfnis meiner Seele verlangt nach Ehrlichkeit und deshalb gehe ich diesen Weg, so gut ich kann. Wenn ich davon rede, stoße ich leider meist auf Unverständnis: „Nein, das kann man nicht sagen, das kann sie oder er nicht verstehen!“ Natürlich ist die Angst vor Ablehnung immens und deshalb gehen wir das Risiko in heiklen Angelegenheiten nicht ein. Das schafft letztlich immer Schwierigkeiten, weil die Unwahrheiten durch Verschweigen nicht verschwinden. Sie sind vom Gegenüber spürbar, wenn auch noch so viel Zeit vergeht, sie sind subtil immer da.

Deshalb lasten auch die Schandtaten vergangener Generationen auf uns. Diese tiefsitzenden Verletzungen können in der Zweierbeziehung kaum aufgelöst werden, sondern bedürfen laut Bluhm und Lichtenfels einer Gemeinschaft, die Unterstützung und Halt in der persönlichen Heilung geben. Wir können den Schatten ins Licht der Bewusstheit führen. So ist der Mensch und die Welt heilbar. Die Welt entsteht von Innen nach Aussen. Der Zustand der Erde, Kriege, Krankheit, Hunger, Umwelt usw. – alles ist Spiegel unserer Innenwelt. Wir können noch so viel im Aussen dagegen unternehmen, es wird immer ein Tropfen auf dem heißen Stein bleiben, wenn nicht parallel dem inneren Streben nach Heilung nachgegeben wird. Ich kann immer nur bei mir anfangen – in dem Wissen, dass hier noch viel Arbeit vor mir liegt, um oben beschriebenen Idealen nahe zu kommen. – Und doch erwächst in mir ein unstillbares Bedürfnis in diesem Sinne an meiner Heilung zu arbeiten. Ich hoffe auf viele Gleichgesinnte, die sich Zusammentun, um diesen großen Weg zu gehen, jetzt ist es höchste Zeit. Gern würde ich in einer kleinen Gruppe an diesen Themen in der Tiefe zu arbeiten, falls jemand Interesse hat, bitte bei mir melden, wäre schön, wenn sich was entwickelt. Sollte der Beitrag auch bei dir Resonanz finden, dann gerne teilen, Danke:))

Buchempfehlung: „Und sie erkannten sich“ Das Ende der sexuellen Gewalt von Dieter Duhm und Sabine Lichtenfels.

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