Erleuchtung als  Flucht

Erleuchtung als Flucht

23. April 2021 Aus Von Tommy Seiter

20 Jahre habe ich unbewusst versucht meine Gefühle in buddhistischer Gelassenheit aufzulösen. Das Leben lieferte mir sodann oft recht dramatische Situationen, welche das Verdrängte äußerst unangenehm auslösten. Heute spüre ich, wie viel Energie zum Beispiel in unterdrückter Wut gebunden ist und destruktiv wirkt, allerdings bei Entfesselung eine unheimlich kreative Lebensenergie darstellt. Gerade beschäftigt mich diese Thematik und so formuliere ich meine Ideen dazu für mich. Ich gehe von der Erfahrung aus, dass Alles verbunden ist und dass das Leben selbst mein bester Lehrmeister ist. Gleichzeitig ist mir bewusst, dass alles was ich mitteile Projektion ist. Worte können nie Ersatz für Erfahrung sein und sind missverständlich, weil polar und nur ein Symbol. Einerlei, was raus muss, muss raus, vielleicht erkenne ich ja was – zwischen den Worten. Gleich vorab – ich habe keine Ahnung von Erleuchtung, bin traumatisiert und glücklich 😉

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Traumatisiert und glücklich, geht das?

Ich nehme eine Tendenz wahr, dass wir Spiritualität nutzen, um aus dem Leben zu fliehen und die wertvollen, aber auch schmerzvollen Impulse, welche uns das Schicksal schenkt gerne weg meditieren möchten. – Eine Verschmelzung mit dem allem inne wohnenden Bewusstsein – ein Direktflug ins Licht soll alles auflösen, was uns da Unschönes widerfährt. Ist nämlich alles nur Illusion, höre ich immer wieder von „erwachten“ Geistern … Das ist wunderbar, sofern diverse Altlasten schon aufgelöst sind, andernfalls kann das auch ein sogenannter „spiritueller Bypass“ sein und der kann gefährlich werden, lässt sich das Leben doch nicht betrügen und nichts kann dauerhaft unter den Teppich gekehrt werden. Was ist mit der Angst, mit der Scham, mit der Wut – Illusion? – Wir Spirituellen müssen doch friedlich sein und dürfen uns ja nicht aufregen, – probieren können wir es, bei mir hat es nicht funktioniert, das Verdrängte kommt immer wieder ans Licht, es will gesehen, gefühlt und auch ausgedrückt werden.

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Alles kommt ans Licht.

Sicher war es als Kind ein unumgänglicher Schutz die von unserer Umwelt abgelehnten wertvollen Wesensanteile wegzuschließen. Doch heute können wir aktiv werden und unserem vollen Potential Ausdruck verleihen. Gerade die ungeliebte Wut ist jene Kraft, die Veränderungen einleitet und beispielsweise das hier Gesagte inspiriert. Das schafft Verbindung mit dem irgendwann notwendiger Weise Abgespaltenem – und wenn wir versuchen das in uns Auftauchende zu verdrängen – sind wir mit verantwortlich und gefangen in dem unerlösten Kreislauf von Gewalt, Verletzung, Zerstörung usw.. Gerade weil wir dem Unangenehmen nicht ins Gesicht schauen und Zuflucht in einem konfliktfreien nondualen Ort suchen, projizieren wir aus meiner Sicht damit das „Böse“ nach Aussen, wo es dann allerdings meist auch nicht gefällt, zumindest haben wir ja ganz sicher nichts damit zu tun, sind wir doch in absolut göttlichem Frieden. Mir scheint die Abkehr von der Aussenwelt oft eine Reinszenierung der traumatischen Kindheitssituation. Der damalige Rückzug als Schutzfunktion kann heute zur Flucht vor der Realität werden. Das habe ich 20 Jahre gemacht und erkenne nun, ohne den Lauf der Dinge abwerten zu wollen – dass dies heute weder für mich, noch für die Welt hilfreich ist. Sobald ich mich auf eine Seite schlage, klammere ich den für die Heilung notwendigen Gegenpol aus. Genau das machen wir in der Regel ununterbrochen.

Wut ist eine enorme Kraft, die dein Potential entfalten kann.

Die jetzige Situation auf unserer Erde ist das Ergebnis unseres maskenhaften Verhaltens und zeigt uns punktgenau, wie traumatisiert und gespalten wir als Gesellschaft sind. Nun werden die Folgen vom Wegschauen sichtbar und auch dafür können wir dankbar sein, jetzt ist es nicht mehr unterm Teppich. – Und so gern würde ich allumfassende Worte finden, weil nun der Eindruck entstehen könnte, dass ich einen Rückzug in die Stille zur Bewältigung unserer Themen nicht ebenso wichtig erachte, – aber eben beides – Stille und Handlung sind kein Widerspruch, sondern eins – Das Tun im Nichttun heisst es im Daoismus. Gemeint ist dem natürlichen Ausdruck seinen freien Lauf zu lassen, in dem Wissen, dass es eine höhere Ordnung gibt, die die Wandlung bewirkt und dessen Teil wir selbst sind – mit allem, was erscheint!

Alle Probleme beinhalten ein Geschenk und neues Leben.

Wir sind verbunden mit all dem alten Schmerz, der uns persönlich, sowie kollektiv seit Anbeginn der Zeit zuteil wurde. Und genau das ist die Chance! So haben wir jederzeit die Möglichkeit die Vergangenheit zu heilen und eine freie Zukunft zu kreieren. Dazu müssen wir uns allerdings den dunklen, angstbesetzten Anteilen stellen, die uns belasten und blockieren. Sollte dein Leben in allen Bereichen, wie Beziehung, Beruf, Finanzen, Familie, Freunde, Wohnsituation usw. sich wohlig anfühlen, dann bist du mit dir selbst gut in Kontakt und gibst deine Weisheit sicher schon weiter. Sollten jedoch irgendwo Probleme oder Widerstände in irgend einem Lebensbereich bestehen, dann hat es mit Ablehnung unseres größten Potentials zu tun. Wir trennen uns vom Leben, von uns selbst und damit auch unseren Mitmenschen ab, wie wir es eben irgendwann als Selbstschutz tun mussten, oder unbewusst übernommen haben. Jedes Problem ist ein Geschenk, vielleicht unschön verpackt, jedoch beinhaltet es Wundervolles, wenn wir es denn Auspacken und nicht als Illusion abtun – Ist doch schade drum, denn wenn schon, dann ist die Verpackung – also die Geschichte, wie sich das Problem zeigt – die Illusion. Unser Leben ist in jeder Einzelheit so wundervoll perfekt – du bist in jedem Moment am richtigen Platz mit den richtigen Menschen – das Leben macht keine Fehler, darauf können wir vertrauen. Ich nehme eine immanente Kraft wahr, die eine unaufhaltbare Tendenz zur Heilung unserer selbst und da vollkommen mit uns verbunden – der ganzen Welt darstellt.

Im Kern sind wir reine Lebenenergie und Freude.

Das klingt doch wunderbar, im 2 Teil dieses Blogbeitrages finden sich auch praktische Hinweise:

Einleuchtende Worte zum Thema von ILAN STEFAN
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