Pondicherry und der Geist der Toten

Pondicherry und der Geist der Toten

26. März 2019 Aus Von Tommy Seiter


Etwa zwei Stunden Fahrtzeit mit dem Taxi Richtung Süden liegt die ehemalige Hauptstadt Französisch-Indiens, Pondicherry. Es ist eine typisch indische quirlige Stadt. Je näher man dem Meer und dem französischen Viertel kommt, umso mehr beruhigt sich auch das Straßenbild und die Atmosphäre. Wenn man bedenkt wie wenig Sehenswürdigkeiten es hier gibt, verwundert es, dass Pondicherry kaum ein Reisender auslässt.
Einen Großteil der positiven Vibes hat sie wohl dem internationalen Sri Aurobindo Ashram und dessen Ableger Auroville, gleich ausserhalb der Stadt zu verdanken. Der Ashram wurde 1926 von bengalischen Philosophen und Guru Sri Aurobindo und dessen wichtigsten Schülerin und Gefährtin, genannt „The Mother“, welche in Frankreich geboren wurde, gegründet. Ihre Lehren beziehen sich auf „integrales Yoga“, was bei Umsetzung die Vergöttlichung des menschlichen Bewusstseins zur Folge haben soll.

Der Himmel ist in uns.

Beide sind zwar schon lange verstorben und doch pilgern täglich Tausende zum Ashram und umrunden den Samadhi, der die sterblichen Überreste der Verehrten beinhaltet.
Natürlich auch ich. Obwohl ich den Guru nur namentlich kannte war ich sehr beeindruckt von der Energie, die dort herrschte. Es war ja nichts Großartiges zu sehen als ein zugegebener Maßen traumhaft mit Blumen geschmückter Marmorsarkophag. Es scheint absolut jeder, den es hier her verschlägt, umrundet das Mausuleum und zwar in absoluter Stille, ohne Handy und ohne Fotografie. Natürlich besteht die Möglichkeit sich zur Meditation nieder zu lassen. Mich berührte die Ruhe, die dieser Ort ausstrahlte unheimlich. Obwohl ein unablässiger Strom an Touristen und Indern den Ashram durchquerte, hatte ich das Gefühl ganz bei mir zu sein. Irgendwie wollte ich gar nicht mehr weg.

Betrüge niemanden, auch nicht dich selbst.


Mein Verstand sucht immer wieder nach Erklärungen, wie so etwas möglich ist. Kann es sein, dass der Geist, der schon seit etlichen Jahren verstorbenen Gründer hier zugegen ist. Klingt gruselig, aber scheint ja ein guter Geist zu sein. Anders kann ich es mir nicht erklären, es gibt ja fürs Auge im Wesentlichen nichts zu sehen, nicht einmal ein Foto darf man hier machen. Ich nehme das als Beweis, dass der Geist unsterblich ist und auch nach dem körperlichen Tod noch weiter wirkt. Diesem Geist möchte ich näher kommen. Einige Weisheiten von Sri Aurobindo und „der Mutter“ füge ich als Bilder diesem Beitrag bei.

Das Ego will immer mehr, die Seele weiss in ewiger Dankbarkeit, dass sie alles hat.

Schlussendlich musste ich mich doch losreißen. In der angeschlossenen Bibliothek kaufte ich noch zwei Bücher mit der Hoffnung der unglaubliche Spirit der beiden Verehrten würde mir folgen und auch meinen Geist beflügeln;)
Und dann bin ich in der perfekten Stadt, Auroville, angekommen. Für mich als Idealisten stellt dieses Projekt einen wahr gewordenen Traum dar. Tatsächlich ist die 1968 gegründete „Stadt der Morgendämmerung“ das wohl größte esoterische Zentrum Indiens. Eine internationale Gemeinschaft, die sich einer nachhaltigen Lebensweise in Frieden als Folge der Verwirklichung eines „göttlichen Bewusstseins“ verschrieben hat, versucht dort, unabhängig von Hautfarbe, Nationalität oder Glaube eine ideale Stadt zu kreieren. Ein großes Projekt, dessen Ziel es ist, beispielhaft die Einheit der Menschheit auf der Erde zu realisieren. Eine schöne Idee, die auf das Sprachrohr von Sri Aurobindo „Die Mutter“ zurück geht.

Auroville – Eine Stadt in vollkommenen Frieden und Harmonie.


Es ist klar, dass dieser Traum nicht leicht zu verwirklichen ist, so wohnen bislang auch nur ca. 2000 (geplant wären etwa 50000) Menschen aus über 40 Ländern dort. Die Kommunen sind dort in einer ländlichen Szenerie inmitten von üppigen Grün eingebettet. Sie leben von Landwirtschaft, Kunsthandwerk und alternativen Technologien, wie auch dem Softwareunternehmen Aurolec. Also keinesfalls rückständig, was sich auch in der Architktur niederschlägt, die moderne westliche mit traditionell indischen Einflüssen verknüpft.
Das Herzstück Aurovilles ist der gigantische futuristische Matri Mandir, ein kreisrundes Hightech- Meditationszentrum. Es soll ein Symbol für die Verbindung der göttlichen Einheit mit dem menschlichen Sinn für Perfektion darstellen. Leider konnte ich die gewaltige goldene Kugel nur von aussen besichtigen, weil ich zwei Tage hätte warten müssen, um in das Kraftzentrum hinein zu können. Also wer das möchte, unbedingt davor anmelden. Es würde sich lohnen, weil im Zentrum eine enorme Kristallkugel von 70 cm den Raum erhellt und die neutralen und göttlichen Eigenschaften von Licht und Raum symbolisiert.

Matri Mandir - das  Hightech Meditationszentrum Aurovilles
Matri Mandir – das Hightech Meditationszentrum Aurovilles


Auch wenn es sonst dort nicht viel zu sehen gibt, ist die friedliche Atmosphäre für jedermann zu spüren. Es würde mich sehr interessieren längere Zeit in Auroville zu verbringen, um selbst zu erfahren, ob diese ideale Vision eines harmonischen Zusammenlebens im Einklang mit der Umwelt tatsächlich auf dieser Erde verwirklicht werden kann. Leider zeigt sich in der Realität immer wieder, wo viel Licht, da ist auch viel Schatten. Ich bin ein unverbesserlicher Optimist und bin sicher, dass es möglich ist. Jedenfalls schafft die Kommune Arbeitsplätze für 4000 Menschen der umliegenden Dörfer und alleine das macht die Initiative zum Vorzeigeprojekt.
Für mich ist Pondicherry und die Umgebung ein spirituelles Zentrum, das sich niemand entgehen lassen sollte.
Zum Sonnenuntergang flaniere ich dann an der Strandpromenade mit fröhlichen Indern und dem großen Gandhi, der dort in Form einer Statue verehrt wird.

Der große Ghandi
Sonnenuntergang in Pondicherry


Abschließend genieße ich ein delikates indisches Abendessen auf einer Dachterrasse und beobachte das Treiben auf der Straße.
Ein weiterer Highlight auf meiner Reise folgt, Thiruvannamalai und das Vollmondfest mit der glücksverheißenden Umrundung des erloschenen Vulkans Arunachala.
Danke für dein Interesse und es freut mich, wenn du meine Erfahrungen teilst, danke!

Alles ist mit allem verbunden.
Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail