Tiefe Berührung bei der Ayurveda Kur in Indien

Tiefe Berührung bei der Ayurveda Kur in Indien

6. Januar 2020 Aus Von Tommy Seiter
Wohlfühlen im paradiesischen Meiveda Ressort

Das kleine Ressort, weit ab von jedem Touristenrummel ist ausgebucht. Etwa 30, hauptsächlich deutschsprachige Gäste, lassen sich hier ayurvedisch behandeln, feiern in freundschaftlicher Weise gemeinsam Weihnachten und Silvester. 70 % Frauen, alleinstehend, oder der Mann fährt lieber Schi zu Hause, habe ich gehört. Die Atmosphäre ist sehr familiär und man findet schnell Anschluss. Diese luxuriöse Art der Kur ist nur in den Touristenanlagen möglich, die auf den allseits zufriedenen Gast bedacht sind, der natürlich nächstes Jahr wieder kommen soll. Es wird alles getan, um die Gäste zufrieden zu stellen.

Ayurveda im Meiveda Ressort direkt am Meer.

Wer eine ursprüngliche ayurvedische Kur ohne Kompromisse „genießen“ möchte, muss sich für 3 – 5 Wochen in eine Klinik begeben, mit sehr strenger Diät, ohne Sonne, Meer, AC und sonstigen Luxus – aber dafür günstig und sehr wirksam, wie ich hörte. Jedes Jahr pilgern mehr Europäer nach Indien, die auch bei sehr schweren Leiden Hilfe erhoffen, weil sie von den heimische Ärzten oft nur resignierendes Kopfschütteln ernten.

So gut die westliche Medizin bei der Behandlung akuter Leiden und zweifellos auch in der Notfallmedizin ist, hat sie kaum Mittel, um mit den vielen chronischen Beschwerden umzugehen. Nie wird der ganze Mensch betrachtet, meist wird man von Spezialist zu Spezialist weitergereicht, der dann versucht jedes einzelne Leiden zu vernichten, während Ayurveda die Krankheit als Symptom für ein Ungleichgewicht sieht, deshalb wird diese Disbalance behandelt. Mich erstaunt jedenfalls das grenzenlose Vertrauen in die ayurvedische Heilkunst, mit dem kranke Menschen bis ans andere Ende der Welt reisen.
Mir geht es um Vorbeugung und Erholung, welche sich schon langsam einstellt und so gibt es nun viele genussvolle Momente. – Allein die Fürsorge, die Freundlichkeit, die hingebungsvollen Behandlungen und der spürbare Respekt vor jedem Individuum tun auf jeden Fall jetzt schon gut.

Tommy Seiter, Indien, Reiseblog, Blog
Langsam tritt Entspannung ein.

Kerala scheint für mich das Zentrum der Freundlichkeit zu sein, was sich mir bei den Kurzausflügen in der Umgebung und bei einem Tempelbesuch erschloss. Überall werde ich mit offenen Armen aufgenommen und vielfach um ein gemeinsames Foto mit der Familie gebeten. Die strahlenden Gesichter der Inder sind herzerwärmend, wenn sie mir ihr offenes, ehrliches Lachen und damit ein Stück ihrer inneren Glückseligkeit schenkten – danke! Das ist auch ein wesentliche Erkenntnis, die ich gerne mitnehme: Ein Lächeln erleichtert das Leben und lindert viele Probleme.

Ein Lächeln verändert die Welt.


Ein vielfach gefürchteter, aber wesentlicher Punkt der Kur, ist die Reinigung von altem schädlichen Ballast. An zwei Tagen wird mittels dem wenig schmackhaften Ghee, ein mit Kräutern versetzter Butterschmalz, die Ausleitung der Giftstoffe durch Darmentleerung herbei geführt. Spätestens nach dem „Cleaning Day“, an dem kaum gegessen wird, beginnen meist angenehme Zeiten.

Zehnter Tag im Paradies

Nun kann ich das Paradies auch genießen.


Gut ausgeschlafen, Rückenschmerzen ade, freue ich mich schon auf das tägliche Yoga unter einem Bambusdach mit Blick auf die aufgehende Sonne über den Palmen. Die Asanas fühlen sich schon deutlich geschmeidiger an und das Frühstück danach schmeckt sensationell. Es ist eben vielfach die eigene Einstellung zu den Dingen, die dann letztlich dafür verantwortlich ist, wie sich unsere Wirklichkeit anfühlt. Wir sind üblicherweise Meister darin, das Schöne auszublenden und uns dafür umso energischer auf das „Haar in der Suppe“ zu stürzen. Jetzt gerade schreiten die weißen Reiher durch den „Garten Eden“, flattern riesige Schmetterlinge von Blüte zu Blüte, Streifenhörnchen tollen herum, die satt grünen Palmenblätter wiegen sich im Wind und ich „schwebe“ zu meiner nächsten Behandlung. Die Ganzkörpermassage wird heute mit einer der berühmtesten Anwendungen, dem Stirn-Öl-Guss (Shirodhara), beendet. Dabei rinnt warmes Öl auf die Stirn und läuft dann über die Schläfen und den Kopf bis absolute Entspannung in Geist und Körper eintritt. – Jetzt könnte die Welt unter gehen und es würde mir nichts ausmachen. Gott sei Dank steht nur das Mittagessen an und das schmeckt wunderbar. Aus den täglich wechselnden Menüs suche ich mir abermals indischen Köstlichkeiten nach Wohlgefallen aus, das Auge isst ja bekanntlich mit.

Nachmittags pendle ich zwischen Hängematte und Meer. „Take a rest“ meinte der Therapeut, gesagt – getan.

Kilometerlanger menschenleerer Sandstrand


Am letzten Tag meiner Kur zeigte sich dann, wie tiefgreifend eine derartige ganzheitliche Kur sein kann. Schon beim morgendlichen Yoga, ich übe nun mit den Fortgeschrittenen, kamen mir beim abschließenden „OHM, SHANTI SHANTI SHANTI“ Singen die Tränen des Glücks und des tiefen inneren Friedens.

Das Ayurvedateam betet jeden Tag vor Beginn gemeinsam.

Die Abschlussbehandlung meines lieb gewonnen Therapeuten war dann der emotionale Höhepunkt. Erst wurde ich mit warmen Wasser immer wieder am ganzen Körper begossen, unglaublich entspannend. Weniger entspannend die Augenreinigung danach. Hierbei wird ständig das offene Auge mit speziellem Wasser gespült, was sich im Moment unaushaltbar anfühlt. Beim Abschied nach der letzten Behandlung zeigte sich, wie tiefgreifend Ayurveda wirken kann. Obwohl ich Vejay nicht wirklich kannte, fand eine seelische Berührung statt, die uns beide die Tränen in die Augen drückte und für mich Ausdruck eines tiefen Erkennens des inneren Wesens war. So zeigte sich für mich die Weisheit des Wissens der asiatischen Religionen eindrücklich. Wir sind auf dieser tiefen Ebene alle miteinander verbunden.

Respekt und Verbindung ist spürbar.
Tiefe herzliche Berührung beim Abschied von meinem Therapeuten.

Hierzu gibt es auch einen sehr persönlich VLOG Beitrag auf meinem neuen YouTube Kanal OPEN HEART. Wer am Laufenden sein möchte bitte gern abonnieren, Danke!

Video zum berührenden Ende meiner Ayurveda Kur.


Mit der ärztlichen Schlusskonsultation endetet die Kur. Mit einer Reihe von Verhaltensempfehlungen und Medizin im Gepäck entließ mich die Ärztin in die Eigenverantwortung. Ein andauernder Kurerfolg kann sich wohl nur einstellen, wenn ich schädliche Verhaltensweisen auch zu Hause minimiere und so mein Gleichgewicht nicht leichtfertig ausser Balance bringe.

Tommy Seiter mit 
Ayurveda 
Arzt,
Abschlussgespräch mit der Ayurveda-Ärztin.

Ich hoffe ein wenig an innerer Disziplin, Herzlichkeit und Gleichmut mit zu nehmen, um der ayurvedischen Vision etwas näher zu kommen. Mit Wehmut verabschiedete ich mich von den lieb gewonnen Ayurvedafreunden und machte mich auf, um nun tiefer ins Land einzutauchen. Zuerst ein paar Tage Kochi und dann geht es nach Tamil Nadu, wo der Highlight die vollmondliche Umrundung des Arunachala in Tiruvannamalai sein soll, welcher Manifestation von Gott Shiva sein soll. Bitte folgt mir weiter. Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr meinen Beitrag teilen würdet, vielen Dank und bis bald!

Glücklich und zufrieden wage ich mich nun ins turbulente Indien.
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