Turbulenzen und was ich von dieser Reise lernen konnte

Turbulenzen und was ich von dieser Reise lernen konnte

6. April 2019 Aus Von Tommy Seiter

Wieder angekommen in Chennai wollte ich die letzten Tage vor dem Heimflug nach dem ereignisreichen Wochen ruhig angehen. Ich hatte die Hoffnung, so einen harmonischen Übergang nach Hause zu schaffen. Ich fühlte mich sehr gut und freute mich schon die gewonnenen Schätze mit nach Hause zu nehmen und in meinen Alltag zu integrieren. So einfach fiel die Heimreise und der Übergang dann leider nicht aus, was die Stabilität meines Seelenfriedens gleich massiv auf die Probe stellte. Jedenfalls hatte ich eine wunderbare Flugverbindung, die mich in 12 Stunden von Südindien nach Innsbruck befördern sollte. Zufällig, beim Online Check in, was ich sonst nie mache, erfahre ich am Abflugtag, dass der Flug annulliert sei – OK?! – Ganz ruhig bleiben … der Anruf bei Lufthansa ergab, dass ich umgebucht wurde auf Singapore Airline und zwar mit einer Abflugverspätung von einem Tag und einer Gesamtflugzeit von über 30 Stunden. Das war eine echte Herausforderung und natürlich meldet sich sofort mein Kopf zu Wort. „Zwei Tage später in Innsbruck, extrem lange Flugzeit, Schlafmangel, Jetlag, ein unverschiebbarer Termin unmittelbar nach Ankunft, ich schaffe das nicht, das darf nicht sein!“ Eine dunkle Wolke umgab mich plötzlich und ich sah kurzfristig kein Licht mehr, ich steckte fest 😉

Der Verstand half mir dann allerdings auch wieder in den Moment zu kommen, mit dem Wissen, dass Alles richtig ist. Das Erkennen war schon der Wendepunkt und so versuchte ich meine Aufmerksamkeit wieder in die Gegenwart zu lenken und nicht in einer üblen Zukunftsprognose zu verharren. Die Natur war mir immer schon ein großer Helfer, wenn es darum ging in den Moment zu kommen. Ich nutzte das nahe gelegene Meer und stürzte mich in die Fluten, kämpfte gegen die Wellen bis mein Widerstand brach und ließ mich schließlich von den Wogen tragen. Ein schönes Bild, weil ich es so auch schaffte nicht mehr gegen die Turbulenzen des Schicksals zu kämpfen, sondern mich hingab und sogar lachen musste über die Schikanen meines Lebens. Ist ja kein Weltuntergang, ich hatte einen Tag mehr in Indien, bin zwar erledigt, aber doch heil angekommen und für die enorme Verspätung gibt es sicher eine satte Entschädigung.

Diese Reise zeigte mir wieder eindringlich: das Leben ist spannend, aufregend und überraschend. Meine Devise ist es mittlerweile den Fokus immer wieder auf das Schöne und den Moment zu lenken. Mit der Fotografie habe ich das immer schon geschafft. Diese Fähigkeit nun immer besser in meinen Alltag zu integrieren ist mein großes Ziel. Es wäre wundervoll, wenn ich auch dir mit meinen Bildern und Worten ein bisschen Freude ins Leben bringen könnte. Wer sich freut ist dem Göttlichen ganz nah. Meine ganz persönlichen Reiseerfahrungen zu teilen war ein erster Versuch mehr Inhalt in meine Bilder zu bringen, was ich gerne vertiefen würde und vielleicht geht eines Tages mein Wunsch in Erfüllung ein Buch auf diese Weise zu veröffentlichen.

Auf jeden Fall war diese Indienreise sehr hilfreich meinem wahren Wesen wieder einen Schritt näher zu kommen. Die Offenheit, Hilfsbereitschaft und Herzlichkeit, die mir hier begegnete wiesen mich auf eben diese Eigenschaften meiner Selbst hin. Ich weiss, dass ich mit Allem verbunden bin und so spiegelte mir Indien, wer ich wirklich bin. Es ist klar, dass man eine individuelle Indienreise mit genau dieser Offenheit angehen muss, um derartige Erfahrungen zu machen. Es ist unbedingt notwendig unsere westliche Vorstellungen weitestgehend auszuschalten, weil vieles hier für uns nicht verständlich ist. Wenn man aber dies schafft, kann man einen großen Schatz finden, vielleicht einer anderen Dimension näher kommen, die nichts ausschließt und von Vertrauen und Liebe geprägt ist.

Ich komme auf jeden Fall wieder, weil – ich darf es mit den schönen Worten von Andre Heller sagen: „Ich war dort mit mir besser befreundet als irgendwo anders auf der Welt und habe mir mehr zugetraut.“

Das hier Gesagte sind meine ganz persönlichen Erfahrungen, wohl wissend, dass es in Indien, wie in vielen anderen Ländern, Missstände gibt, die einer Verbesserung bedürfen. Veränderungen gelingen einfacher, wenn wir die Ist-Situation akzeptieren und nicht mit Widerstand den Tatsachen begegnen, sondern mit Liebe. So habe ich persönlich nichts von Frauenfeindlichkeit oder Ähnlichem mitbekommen – eher dass sich auch hier diesbezüglich etwas wandelt und erlebte viele starke Frauen. So möchte ich dem schlechten Image Indiens, was nicht dem großen Ganzem entspricht, mit meiner Arbeit einen positiven Aspekt hinzufügen. Abschließend gibt es noch eine kleine Bilderreise vom extrem kalten Ladakh in den sommerlichen Süden nach Tamil Nadu. Enorme Gegensätze, die mich an meine Grenzen brachten. Dorthin, wo das wahres Leben statt findet, im Hier und Jetzt. Wenn wir im Moment sind, beschenkt uns das Leben mit vollen Händen. Danke für alles, was mir auf dieser Reise begegnete, tatsächlich Geschenke am laufenden Band, ich bin geborgen.

Kloster Basgo
Kloster Lamayuru

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