Wenn schöne Worte verletzen und mein größtes Sehnen

Wenn schöne Worte verletzen und mein größtes Sehnen

22. September 2021 Aus Von Tommy Seiter

Ich liebe anregende Gespräche, – wenn Worte ineinander greifen, wie eine Einheit – sich ergänzen und Erkenntnis vermitteln. Worte sind ebenso Energie, wie alles und sind ein wesentlicher Bestandteil unseres Dasein. Sie scheinen einen klaren Ausdruck zu ermöglichen, was natürlich in unserer dualen Welt nicht stimmt und deshalb entstehen unzählige Missverständnisse. Jeder hört das Gesagte durch seine getrübte Wahrnehmung, die geprägt ist von unserer Umwelt, unserem Aufwachsen usw. und dem daraus hervorgehenden verstandesmäßigen Trennen – dies stimmt und jenes nicht.Es ist schön mit Worten zu spielen und wenn sie aus reiner Seele kommen, dann berühren sie auch dort wo eine offen Seele zugegen ist.

Allerdings kenne ich auch den Schmerz, wenn blumige Worte benutzt werden, um unschöne Wahrheiten zu verschleiern, vielleicht in bester Absicht, einfach um nicht zu verletzten. Da könnte der wohl erzogene Mensch noch einwerfen, ich meine es ja nur gut, ich möchte dich schützen. Genau das ist für mich das Schmerzhafteste, wenn Worte in diesem Sinne verwendet werden. Die Seele braucht Wahrheit und sie spürt derartige Unehrlichkeit auf jeden Fall! Wir leben in einer Welt, wo weitest gehend nur der Schein zählt und wir von „wohlwollenden“ Gesäusel immer und überall umgeben sind. In diesem undurchsichtigen Nebel findet all unser wissendes Geplapper statt mit der pauschalisierten Überschrift: „Ich weiss es und meine es ja nur gut.“

Ein wahrhaftiges Miteinander bedeutet für mich allerdings nicht, dass ich versuche nur ja nicht zu verletzten, sondern ehrlich seine Gefühle, Gedanken, Bedürfnissen, Ärgernisse usw. mitzuteilen. Wir haben es nicht in der Hand, ob es jemand anderen verletzt und es ist vergebens diesen Anspruch zu erheben. Natürlich ist die Absicht ehrenhaft und nehme ich auch grundsätzlich als selbstverständlich an, aber es ist eben nicht möglich, weil wir zum allergrößten Teil vom Unbewussten gesteuert werden und letztlich kommt das zum Ausdruck. So ist es aus meiner Sicht unmöglich nicht zu verletzten und der bewusste Versuch es zu verhindern ist für mich die größte Verletzung, weil es eine bewusste Verschleierung der aktuellen Wahrheit ist und einen ungreifbaren Raum von Unstimmigkeit erzeugt, der für Verwirrung, Konflikte und Leid sorgt.

Für mich ist dieser tiefliegende Schmerz vor allem im Kontakt mit Frauen spürbar und es macht mich unglaublich wütend bis unsagbar traurig, dass mir in innigen Beziehungen immer wieder eine Grenze aufgezeigt wird, an der es nicht weiter geht. Was ist da los? Es ist wohl mein großes Thema, vielleicht das Größte, das auch über meine Persönlichkeit hinaus geht und kollektiv schwer belastet ist. Ich danke jenen Frauen, die in mein Leben treten, um mir diese große Wunde bewusst zu machen. Ich danke meiner wissenden Seele, die es mir als Mensch immer wieder ermöglicht mein Herz zu öffnen, wie ein unschuldiges Kind, in dem unbeirrbarem Vertrauen, dass Wahrheit in der Liebe eine immanente Realität ist, die ich entdecken darf.

So schicke ich aus tiefster Seele diesen innigen Wunsch in den Raum: Ich weiss, dass wir Männer seit Jahrtausenden alles getan haben, um die weibliche Kraft zu unterdrücken – aus Angst vor dieser alles bewegenden Energie und wir hier unsägliches Leid produziert haben – dieser Schmerz brennt mir nahezu unerträglich auf der Seele – die Vergangenheit lässt sich nicht mehr ändern. Aber ich spüre auch, wie dies jetzt ein Ende haben darf, Heilung geschieht indem wir euch Frauen – als Stellvertreterinnen für diese weibliche Energie – die gebührende Ehre zurück geben dürfen. – Und es ist nur möglich, wenn gleichzeitig von eurer Seite jene, sich aus der Unterdrückung ergebende Manipulation und Missachtung der männlichen Kraft ein Ende hat. Die Wunden müssen sichtbar werden. In diesem Sinne lege ich hier meine enorme Verletzung und das damit einhergehende gestörte Vertrauen gegenüber Frauen und der Angst vor der immensen weiblichen Kraft in mir auf den Tisch. Ich gebe Alles, was mir als Mensch und Mann hier zur Verfügung steht, um Licht in dieses dunkle Feld zu bringen und wenn es viele derartige Funken in diesem Schattenreich gibt, dann kann wieder jenes Feuerwerk entstehen, was unbändige Energie in Verbindung des Männlichen mit dem Weiblichen frei setzt und wahre Liebe entstehen lässt.

Sehr berührende Botschaft: Von Frauen an Männer – DANKE!

Ich sehne mich nach ehrlichen Austausch und weiss selbst wie schwierig dies in einer Welt ist, in der die Lüge und maskenhafter Ausdruck zum akzeptierten Kommunikationsmittel wurde. Es bleibt für mich jedoch die Möglichkeit in bewussten Räumen Menschen wahrhaft zu begegnen, die ebenso offen sind und ehrlichen Austausch als essenziellen Bestandteil für ein würdiges Dasein erkennen. Wie wohlfühlend ist ein Raum in dem wir uns ohne Angst begegnen können. Die Motivation ist groß, selbst eine Gruppe zu initiieren, in der die aktuelle innere Wahrheit, ob von uns schön oder hässlich bewertet, Ausdruck finden darf und wir spüren, wie heilsam ein derartiger Austausch sich entwickelt und immer tiefer führt. Dieser Schritt ist wohl unumgänglich zur Entfaltung weiterer Bewusstseinsräume, die dann am Höhepunkt wieder in berührende Stille mündet. Worte sind letztlich ein Symbol für ein Symbol, vom Menschen erfunden und eben missverständlich. – Gerne übe ich mich in der hohen Kunst eines wahren Ausdrucks mit Worten, schärfe weiterhin mein Gespür für Wahrhaftigkeit und bin offen für derartige Begegnungen.

Worte sind schöne Orte. Erforsche sie, lüge nie. Sonst werden sie zur Qual, ein Höllental. Sind sie wahr, begleitet von einer Engelsschar, Tun sie gut und machen Mut. So ausgedrückt, beglückt.

Text: Thomas Seiter – Foto: Bernhard Huber

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